 |
 |
Jürgen Weinhardt
Konservativ oder Fondsgebunden?
Unterscheidungsmerkmale der
Rentenversicherungsformen
Im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise sind viele solide
Firmen ins wanken und teilweise sogar in Insolvenz
geraten (s. Lehman-Brothers). Wäre hätte mit so einem
monströsen Krisenzunami gerechnet? Was heute noch als
relativ sicher und stabil erscheint, kann morgen schon
zum Unsicherheitsfaktor werden. Umso mehr werden uns
hier die biblischen Wahrheiten um die Vergänglichkeit
der irdischen Schätze bewusster ins Gedächtnis gerufen.
Es ist ein enorm schwieriges Unterfangen, innerhalb
dieses desolaten Umfeldes eine sichere Sparanlage über
zwanzig oder dreißig Jahre Spardauer zu finden. Das
hundertprozentig sichere Kapitalanlageinstrument gab und
gibt es nicht. Darüber muss sich jeder Sparer im Klaren
sein.
Lassen Sie uns nachfolgend die Unterscheidungsmerkmale
der zwei möglichen Rentenversicherungsgattungen mit
ihren unterschiedlichen Anlagehintergründen vergleichen.
Auf die grundsätzlichen Vor- und Nachteile der Anlage in
Versicherungsprodukte im Vergleich zur Bank- oder
Investmentfonds-Direktanlage, ob mit oder ohne
staatliche Förderung, geht der Autor in diesem
Informationsblatt nicht ein. Diese Betrachtung findet im
individuellen auf den Kunden zugeschnittenen
Beratungsgespräch statt oder wird in gesonderten
Publikationen erläutert.
Die
konservative Rentenversicherung
Die herkömmlichen Rentenversicherungen verzinsen den so
genannten Sparanteil (das ist der verbleibende Anteil
aus Versicherungsbeitrag abzüglich Versicherungs-,
Vertriebs- und Verwaltungskosten) derzeit mit 2,25 %.
Erwirtschaftet der Versicherer mit dem investierten
Vermögen einen höheren Ertrag, werden die Kunden an den
erzielten, aber nicht garantierten, Überschüssen
beteiligt.
Aber in der aktuellen Finanzmarktsituation sieht es mit
Überschüssen nicht sonderlich gut aus. Versicherer mit
niedrigeren Verwaltungs- und Vertriebskosten erzielen
derzeit inklusive Überschussbeteiligung eine
Produktrendite von rund 4,3%. Der
Durchschnittsversicherer liegt gerade mal bei 3,3%.
Ein Rentenversicherungsvertrag mit höheren
Kapitalgarantien ist nur so sicher, wie der
Garantiegeber (das Versicherungsunternehmen) diese im u.
U. lang anhaltend schwierigen wirtschaftlichen Umfeld
aufrechterhalten kann.
Konservative Rentenversicherungen investieren nur einen
geringen Teil des Versichertenkapitals in Aktien und
Immobilien. Der größte Anteil wird in festverzinsliche
Wertpapiere, wie Unternehmens- und Staatsanleihen,
Schuldverschreibungen und Obligationen angelegt.
Bei einem Ausfall des Schuldners oder einem möglichen
Reset des Wirtschaftssystems mit Reformierung der
Währungen könnten diese Schuldnerpapiere (Beispiel
Währungsreform 1923 oder 1948) zu ihrem eigentlichen
nominellen Materialwert „0“ verfallen. In Folge dessen
wären natürlich auch die Rentenversicherungspolicen
großteils nur noch Altpapier. Selbst wenn dieses
Worst-Case-Szenario (schlimmster Fall) nicht eintrifft,
leidet der langfristige Sparvorgang mit einer
konservativen Rentenversicherung unter der schleichenden
Geldentwertung (Inflation) bis hin zum realen
Kaufkraftverlust.
Beispiel: an 4% angenommener Produktrendite zehrt eine
durchschnittliche jährliche Inflationsrate von z. B. 5
%; dadurch verbleibt eine Realrendite von Minus 1%, nach
zwanzig Jahren kann dann z. B. aus der erhofften
Rentenauszahlung nicht die Miete für die 3-Zimmer-
sondern nur noch für die 2-Zimmer-Wohnung bezahlt
werden.
Die
Fondsgebundene Rentenversicherung
Dieses Produkt ist eine Kombination aus
Versicherungsmantel des Rentenversicherungsunternehmens
und der Anlage in externe Investmentfonds. Im Falle
einer Insolvenz des Versicherers wäre das angesammelte
Vermögen als so genanntes Sondervermögen nicht durch die
Pleite des Versicherers gefährdet.
Die Erträge richten sich nach der Auswahl der Fonds,
also dem Mix aus Aktien, Immobilien und Anleihen und dem
Geschick des jeweiligen Fondsmanagements.
Kapitalgarantien gibt es nur auf besonderen Wunsch.
Merke! Je höher die vermeintliche Sicherheit (Beitrags-
oder so genannte Höchststandsgarantien kosten!), desto
geringer die außerordentlichen Gewinnchancen.
Eine Mischung aus einem historisch gut gemanagten
internationalen Aktienfonds (oder alternativ einem
kostengünstigeren Indexfonds) mit einem Anteil
internationaler Renten- und offenen Immobilienfonds
dürfte trotz stärkerer börsenbedingter Kursrisiken ein
solideres Wagnis sein, als sein Kapital vorwiegend auf
Schuldversprechen, sprich Anleihen, zu setzen.
Gerade dann, wenn Kurse fallen, sprich die Preise für
Aktien sinken, macht es Sinn, sich am weltweiten
Produktivkapital, den Menschen, Unternehmenswerten und
Ideen großer Betriebe mit regelmäßigen monatlichen
Sparbeiträgen zu beteiligen. Und Unternehmen wie MAN,
VW, Siemens, BASF, BMW oder Bayer werden neben Grund und
Boden sowie Gold- und Silbermünzen auch nach einer
Währungsreform bis zur biblischen Apokalypse nicht alle
gleichzeitig vom Erdboden verschwinden.
Letztendlich bleibt die Entscheidung für die
jeweilige Produktgattung eine Frage der persönlichen
Zukunftseinschätzung, der eigenen Sparmentalität sowie
dem Verständnis für die in der Tat nicht unkomplizierten
wirtschaftlichen Zusammenhänge. Aber diese Entscheidung
obliegt dem einzelnen Sparer selbst und darf für ihn
nicht durch den Berater/Vermittler mit dessen
persönlichen Vorlieben getroffen werden.
(Gesamttext zum Download -
pdf-Dokument 80 KB)

|
 |